Die Digitalisierung ist mehr als nur ein Buzzword. Sie gehört zu unserem täglichen Leben dazu – da bildet auch die Gesundheitsbranche keine Ausnahme. Dass sie jedoch mehr als nur ein notwendiges Übel ist, zeigt, wie offen die Menschen für neue Technologien sind:
- Umfragen zufolge möchte die Mehrheit der Menschen (90 Prozent) ihre Behandlung aktiv mitbestimmen und ihre Gesundheitsdaten digital verwalten. Dazu gehört auch, dass sie entsprechende Anwendungen auf dem Smartphone bedienen.
- 4 von 5 Menschen sind grundsätzlich bereit, die elektronische Patientenakte ePA zu nutzen.
- Ein Drittel will das E-Rezept in der App nutzen. Nur 17 Prozent dagegen wollen das E-Rezept lieber als Papierausdruck.
- Die Video-Sprechstunde ist vor allem für Jüngere eine Alternative zum Praxisbesuch: Ein Viertel der 16- bis 29-Jährigen hat schon einmal online mit Arzt oder Ärztin gesprochen.
Was bedeutet das für Sanitätshäuser und andere Unternehmen im Reha-und Hilfsmittelmarkt?
Siehe oben – wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Es ist daher unabdingbar, auf die digitalen Bedürfnisse der Kundschaft einzugehen. Eine Website gehört mittlerweile zur Grundausstattung eines Unternehmens dazu. Auch Online-Shops werden vielfach ausdrücklich gewünscht – und auch angeboten.
Sinnvoll ist außerdem der Anschluss an Plattformen, die mittlerweile in vielen Bereichen gang und gäbe sind. Seit November bietet die Gesundheitsplattform gesund.de schrittweise auch Sanitätshäusern die Möglichkeit, online und auf ihrer App vertreten zu sein. Zu den angeschlossenen Sanitätshäusern zählen auch Vertreter der Verbundgruppen EGROH, Ortheg, Reha- Service-Ring, rehaVital, Sanitätshaus Aktuell. und der CURA-SAN.
Die Nutzer der App können Sanitätshäuser in ihrer Nähe ganz einfach nach Namen oder Adresse suchen und finden, mit detaillierten Informationen zu Kontaktdaten, Öffnungszeiten und dem Leistungsangebot. Mit nützlichen Suchfiltern können die Nutzer Sanitätshäuser nach Öffnungszeiten und Dienstleistungen sortieren und sogar als Favorit in der App speichern. Damit ist der erste Schritt schon einmal getan.
Aber wie sieht es mit der „digital readiness“ der anderen Marktteilnehmer aus?
Die Zahlen sind noch ernüchternd, vor allem, wenn man sie mit den Wünschen der Bürgerinnen und Bürger vergleicht. Apotheken und Arztpraxen sind zu jeweils 43 Prozent bereit für die Digitalisierung. In Krankenhäusern und Pflegeheimen liegt die Zahl noch bei mageren 24 Prozent.
Dabei gibt es schon so viele Möglichkeiten.
Der Absatz von Medizinrobotern beispielsweise ist 2021 weltweit um 23 Prozent auf über 14.800 Einheiten gewachsen. Dabei stellen Operationsroboter die größte Gruppe dar, gefolgt von Robotern, die eine Reha unterstützen und Helfern für nicht-invasive Therapien. Bei der Diagnose wird allerdings zumeist noch auf Menschen gesetzt. Anders ist es in der Betreuung: Pflegeroboter entpuppen sich als ein wachsender Nischenmarkt.
Darüber hinaus gibt es weitere neue digitale Lösungen, die die Arbeit erleichtern und den Alltag für Patienten verbessern. Das Berliner Start-up AssistMe setzt auf Sensoren, die z.B. den „Füllstand“ von Inkontinenzprodukten erfassen und dem Personal Bescheid geben, wenn ein Wechsel ansteht. Mithilfe intelligenter Liegesensoren leistet AssistMe eine Bewegungserkennung und erinnert daran, dass bettlägerige Patientinnen und Patienten umgebetten werden müssen, um ein Wundliegen zu vermeiden.
Auch die Hinlauftendenz von an Demenz erkrankten Pflegeheimbewohner kann mit solchen Sensoren überwacht werden, ohne sie in ihrer Freiheit und Eigenständigkeit einzuschränken. Über eine App werden die Betreuenden über den aktuellen Aufenthaltsort informiert und sogar benachrichtigt, wenn der sichere Bereich verlassen wird.
Keine Angst vor der Digitalisierung: Begreifen wir sie als Segen statt als Fluch.
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