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Newsletter: September 2025

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Start des Mobilitätsanbieters Ubers hierzulande vor über zehn Jahren war holprig. Leistungen wie Taxiservice oder Ride Sharing erwiesen sich als nicht kompatibel mit den deutschen Regularien. Statt aufzugeben, hat das US-amerikanische Unternehmen jedoch immer weiter an seinen Dienstleistungen gefeilt, bis es passte. Plus: Immer mehr neue Ansätze entwickelt. Über Uber Medical und die Möglichkeit, darüber Krankenfahrten zu buchen, hatten wir bereits im Juli-Newsletter berichtet

Nun kommt auch bei Uber Eats eine neue Funktion hinzu: In 25 deutschen Städten, darunter in Berlin, München, Hamburg und Köln, können Nutzer sich erstmals über die App auch frei verkäufliche Gesundheits- und Pflegeartikel direkt nach Hause bringen lassen. Möglich wird das durch eine neue Partnerschaft mit CURE, einer digitalen Plattform, die Apotheken bei der Digitalisierung ihres Sortiments unterstützt. 

Die Lieferung erfolgt innerhalb von 30 Minuten, die Gebühr hängt von der Entfernung und dem Standort ab. 

Praktisch ist es allemal: Hustensaft, Aspirin & Co. im Pyjama an der Haustür entgegenzunehmen, ist nun einmal deutlich komfortabler als sich krank in die Apotheke zu schleppen. 

Gibt’s schon, sagen Sie? Klar. Manche Apotheken bieten selbst einen Lieferdienst an, außerdem sind bereits Dienstleister wie Shop Apotheke oder Mayd am Markt. 

Neu ist aber die Bündelung in nur einer App. Sprich: Wer krank ist, braucht nicht nur Medikamente, sondern wahrscheinlich auch eine warme Mahlzeit. Die Idee, ein bestehendes Netzwerk auf andere Dienstleistungen auszuweiten, ist daher eine ziemlich gute und dadurch durchaus eine Inspiration für Unternehmer.

Inspiration bietet auch die Fuckup Night der Hilfsmittelbranche von Stolle Sanitätshaus, provita orthocare und GesundheitsProfi am 9. Oktober in Hamburg. Ab 18:00 Uhr berichten Detlef Möller (Stolle Sanitätshaus GmbH & Co. KG), Torsten Schuchmann (Schuchmann GmbH & Co. KG) und Tatjana Teinert (Medilog Hamburg Teinert GmbH) über Fehler und wie sie daraus gelernt haben. 

Ein spannendes Format, das jetzt erstmals speziell für Fachkräfte aus dem Sanitätsfachhandel sowie orthopädie(schuh)-technischen Betriebe aufgelegt wird. Veranstaltungsort ist das Stolle Kompetenzzentrum am Friedrich-Ebert-Damm 309 in 22159 Hamburg. Die Teilnahme ist kostenfrei, hier können Sie sich anmelden. 

Ganz sicher kein Fehler ist es, auch die weiteren Themen unseres Newsletters zu lesen – wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre. 

Herzliche Grüße

Ihr TCLOGistiker
Peter Bergfeld

TCLOG informiert: Besser wirtschaften mit Daten

Man darf ja über Künstliche Intelligenz denken, was man will. Vor allem, wenn man nur an ChatGPT denkt, dessen Nutzung bisweilen bedenkliche Ausprägungen annimmt. Aber dass es auch zahlreiche sinnvolle Anwendungsbeispiele gibt, ist nicht von der Hand zu weisen. Wie zum Beispiel Amazons Initiative wider den Verpackungswahn:

Die „Package Decision Engine“ ist in der Lage für jeden erfassten Artikel die effizienteste Verpackungsart zu ermitteln. Dabei analysiert das KI-Modell u. a. Größe, Zerbrechlichkeit, Produktbeschreibungen sowie Kundenfeedback – und trifft datenbasierte Entscheidungen darüber, ob ein Produkt wie ein Campingzelt eine einfache Papiertüte braucht oder zerbrechliches Geschirr einen robusten Karton. So kann Amazon die Menge der verwendeten Pappumschläge und -kartons, Papierpolster, Klebeband und Papiertüten reduzieren und seine Nachhaltigkeitsziele schneller erreichen. 

Ist das nun Greenwashing oder tatsächlich eine gute Idee, die als Vorbild dienen kann?

Wenn wir genauer hinsehen: Letzteres. Denn seit Einführung der „Package Design Engine“ konnten bereits über 2 Millionen Tonnen Verpackung eingespart werden. Das bedeutet weniger Material, weniger Kosten und auch weniger CO2.

Andere Quellen sprechen sogar von über 3 Millionen Tonnen. Das ist ein Beweis dafür, dass die Lösung funktioniert. 

Was Amazon damit auch zeigt: KI wurde nicht erst mit ChatGPT & Co. erfunden und basiert im Grunde auf etwas ganz Simplen

Die Lösung ist nämlich schon seit 2015 im Einsatz. Schon damals nutzte Amazon KI, in diesem Fall maschinelles Lernen, um aus riesigen Datenmengen Muster abzuleiten: Welche Produkte benötigen tatsächlich zusätzlichen Schutz, welche können platzsparender verpackt werden, wie lässt sich dabei Material sparen? Das ist im Kern das gleiche Prinzip, das auch hinter heutigen Sprachmodellen steckt: Daten erfassen → analysieren → Wahrscheinlichkeiten berechnen → Handlungsempfehlungen ableiten.

Der Unterschied: Bei Amazon ging (und geht) es um logistische Optimierung, also ein sehr klares, eng umrissenes Anwendungsfeld. Bei Large Language Models wie GPT handelt es sich dagegen um sogenannte generative KI, die nicht nur analysiert, sondern auch neue Inhalte produziert. Also das, was zumeist in Bezug auf Text verwendet wird und was das Internet derzeit mit austauschbaren Inhalten schier überflutet.

Man könnte also sagen: Amazons frühe KI-Systeme waren eher „spezialisierte Werkzeuge“, während heutige LLMs wie eine Art „Allzweckmaschine“ funktionieren. Die die Basis ist aber tatsächlich gleich: Ohne die jahrelange Sammlung, Auswertung und Modellierung riesiger Datenmengen wären weder die Verpackungsoptimierung bei Amazon noch die Entwicklung von Sprachmodellen denkbar gewesen.

Was können wir daraus lernen? 

Der Grundgedanke ist einfach: Daten sammeln, Muster erkennen, daraus Verbesserungen ableiten.

Und genau das lässt sich auch im Kleinen anwenden: Wer Prozesse dokumentiert, Kundenerfahrungen auswertet oder interne Abläufe regelmäßig reflektiert, hat die Grundlage, Schritt für Schritt besser zu werden. Es braucht nicht immer eine große KI-Lösung. Manchmal reicht schon das systematische Lernen aus den eigenen Daten und Erfahrungen, um effizienter, nachhaltiger oder kundenfreundlicher zu arbeiten.

Hingucken lohnt sich: Welche Daten liegen bei Ihnen noch ungenutzt in der Schublade?

TCLOGische Zahl(en) des Monats


Mit 5,4 Mio. Euro ist der KKH Kaufmännische Krankenkasse im vergangenen Jahr der bislang größte registrierte Schaden durch Abrechnungsbetrug entstanden. Der Löwenanteil entfällt auf ambulante Pflegedienste, die mit diversen Betrugsmaschen mehr als 4,1 Mio. Euro ergaunert haben. Auf Platz 2 sind Apotheken mit rund 500.000 Euro sowie Krankenhäuser mit rund 365.000 Euro Schaden. 

Der Leistungsbereich Sanitätshäuser/Orthopädietechnik landete auf Platz 4 mit einer Schadenssumme von vergleichsweise geringen 164.000 Euro. Das ist erfreulich. Offenbar besteht in dieser Branche weniger kriminelle Energie. Gelegenheiten gäbe es sicher genug, denn bekannterweise machen die ja Diebe. 

TCLOG informiert: Bürokratie ohne Nutzen? Streit um den Mehrkostenbericht des GKV-Spitzenverbandes


Alle Jahre wieder legt der GKV-Spitzenverband seinen Mehrkostenbericht vor. Auch die aktuelle Ausgabe bestätigt, was seit Jahren bekannt ist: 80 Prozent der Hilfsmittel sind für GKV-Versicherte mehrkostenfrei, bei 20 Prozent zahlen Patient:innen für Extras wie Komfort oder Ästhetik durchschnittlich rund 150 Euro selbst. Neue Erkenntnisse? Fehlanzeige.

Trotzdem erneuert der GKV-Spitzenverband jedes Jahr seine Forderung nach einer gesetzlichen Meldepflicht für Gründe von Mehrkosten. Die Argumentation: Nur so könnten Versicherte vor „ungerechtfertigten“ Zusatzkosten geschützt werden. Dabei hat der Verband selbst eingeräumt, dass diese Kosten in der Regel für freiwillige Extras entstehen – also Entscheidungen, die weder die Solidargemeinschaft belasten noch den Zuständigkeitsbereich der Kassen betreffen.

Formulare dürfen nicht wichtiger sein als Patienten“

Diese wiederholte Forderung wird jetzt allerdings zum Eigentor. Denn: Während die Politik immer wieder Bürokratieabbau verspricht, schafft der GKV-Spitzenverband mit seinen Forderungen nach noch mehr Dokumentation das Gegenteil.  

Kein Wunder, dass die Branchenverbände sich dagegen jetzt auflehnen. 

 Herbe Kritik. Dabei nicht unangebracht. 

Denn Fakt ist:

Der GKV-Spitzenverband hat selbst eingeräumt, dass die Mehrkosten in der Regel für freiwillige Extras entstehen – also Entscheidungen, die weder die Solidargemeinschaft belasten noch den Zuständigkeitsbereich der Kassen betreffen.

Auch das oft zitierte Rechtsgutachten von Prof. Dr. Helge Sodan besagt: Mehrkostenvereinbarungen sind privatrechtliche Entscheidungen und damit Sache zwischen Patient:in und Sanitätshaus und nicht zwischen Patient:in und Kasse.

Es zeigt sich:

Der Streit um den Mehrkostenbericht ist ein Beispiel für das Spannungsfeld zwischen Regulierung und Versorgungspraxis. Statt neue Meldepflichten einzuführen, wäre es im Sinne von Patient:innen und Leistungserbringern, Prozesse zu vereinfachen und die Versorgungsrealität stärker in den Mittelpunkt zu stellen. 

Doch wo liegt die Verantwortung, wer muss den Anstoß für Veränderungen geben? Wie ist Ihre Meinung dazu? Wir freuen uns auf Ihr Feedback. 


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Text 1: © Tiger Lilly/Pexels
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