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Neue WvD-Zahlen: Die Hilfsmittelversorgung hat ein Struktur-, kein Kostenproblem

Neue WvD-Zahlen: Die Hilfsmittelversorgung hat ein Struktur-, kein Kostenproblem

Wenn über die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung diskutiert wird, gerät die Hilfsmittelversorgung regelmäßig mit in den Fokus. Die aktuelle Veröffentlichung von „Wir versorgen Deutschland“ (WvD) liefert dazu nun neue Zahlen – und die zeichnen ein deutlich anderes Bild als viele politische Debatten.

Die Publikation „Zahlen, Daten, Fakten zur Hilfsmittelversorgung“ – kurz ZDF – bildet die Versorgungsrealität in einem umfassenden Spektrum ab. Wir haben uns einige der Punkte herausgepickt. Gleichzeitig legen wir Ihnen die Lektüre der gesamten Broschüre ans Herz:

Die Hilfsmittelversorgung gehört nicht zu den Kostentreibern des Systems

Laut der neuen WvD-Broschüre lag ihr Anteil an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2025 bei lediglich 3,1 Prozent und damit seit Jahren auf einem stabilen Niveau.

Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil aktuell ja über Einsparungen und Vergütungskürzungen im Hilfsmittelbereich diskutiert wird.

Die Auswertung zeigt das, was die Branchenteilnehmer und -verbände seit Langem kritisieren: Im Bereich der Hilfsmittelversorgung liegen die tatsächlichen Kostentreiber schon mal nicht.

Wo steht die Branche wirklich unter Druck?

Deutlich spannender als die reine Kostendiskussion ist allerdings ein anderer Teil der Veröffentlichung.

Denn die Zahlen zeigen vor allem, wie stark Bürokratie inzwischen in die Versorgung eingreift.

Ein Beispiel aus dem ZDF macht das besonders deutlich: Bei einer konventionellen Kniebandage stehen 22 Minuten tatsächlicher Versorgungszeit inzwischen 31 Minuten bürokratischer Aufwand gegenüber.

Anders gesagt: Für Dokumentation, Nachweise, Verträge und Verwaltung wird mittlerweile mehr Zeit benötigt als für die eigentliche Versorgung. Das darf nicht sein!

Viele Sanitätshäuser dürften diese Entwicklung aus dem Alltag kennen. Auch die aktuelle Branchenumfrage bestätigt dieses Bild. Zwei Drittel der befragten Unternehmen geben an, inzwischen mehr als 30 Prozent ihrer Betriebszeit für bürokratische Aufgaben aufzuwenden. Als größte Belastungen nennen die Betriebe die Vielzahl unterschiedlicher Krankenkassenverträge sowie umfangreiche Dokumentationspflichten.

Fachkräftemangel nimmt zu

Hinzu kommt ein Problem, das die Branche seit Jahren begleitet.

Drei Viertel der befragten Unternehmen rechnen laut WvD damit, dass sich der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird.

Gerade im Hilfsmittelbereich trifft das besonders sensibel. Denn Versorgung besteht hier häufig aus weit mehr als Produktabgabe. Beratung, Anpassung, Einweisung und Betreuung lassen sich nicht beliebig standardisieren oder automatisieren. Selbst die als Effizienzbringer vielgepriesene Künstliche Intelligenz stößt hier an ihre Grenzen, denn die Hilfsmittelversorgung ist zutiefst menschlich geprägt.

Und siehe oben: Wenn qualifizierte Fachkräfte zunehmend Zeit in Verwaltungsaufgaben investieren müssen, statt sich um die eigentliche Versorgung zu kümmern, wird es doppelt kritisch.

Digitalisierung bleibt eine Baustelle

Auch beim Thema Digitalisierung zeichnet die Auswertung ein ernüchterndes Bild.

Fehlende einheitliche Schnittstellen, Medienbrüche und die bislang unzureichende Einbindung der Hilfsmittelversorgung in die elektronische Verordnung bremsen digitale Prozesse weiterhin aus. Das überrascht wenig. Viele Betriebe bewegen sich bis heute zwischen digitalen Einzellösungen, Papierunterlagen, Faxkommunikation und manuellen Arbeitsschritten.

Die Diskussion um die Telematikinfrastruktur und das E-Rezept für Hilfsmittel gewinnt deshalb nicht nur politisch an Bedeutung. Sie wird zunehmend auch zu einer Frage der praktischen Entlastung im Versorgungsalltag. Darauf gehen wir in einem separaten Artikel ein.

Die eigentliche Botschaft der Zahlen

Die WvD-Analyse liefert damit mehr als nur neue Branchendaten. Sie zeigt vor allem, wo die Herausforderungen der Hilfsmittelversorgung tatsächlich liegen: weniger bei den Kosten der Versorgung selbst, dafür umso stärker bei Bürokratie, Fachkräftemangel und ineffizienten Strukturen.

Oder anders gesagt: Die Branche verursacht nicht die Probleme, über die aktuell diskutiert wird. Sie muss aber viele ihrer Folgen im Alltag auffangen.

Noch – wir schreiben Juni 2026 – ist die GKV-Reform nicht in Gesetzen verankert. Wir wünschen uns, dass Analysen wie diese dazu beitragen, einzelne Punkte noch einmal genau zu überdenken.