Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell vermeintlich stabile Abläufe ins Wanken geraten können und unsere Versorgungssicherheit gefährden. Während der Corona-Pandemie waren es unterbrochene Lieferketten und eingeschränkte Produktionskapazitäten, die zu Engpässen geführt haben. Mit dem Ukraine-Krieg kamen steigende Energiepreise hinzu. Und aktuell zeigt die Lage im Nahen Osten erneut, wie fragil globale Lieferketten sind.
Besonders spürbar wird das bei den Kraftstoffpreisen. Die Maßnahmen der Bundesregierung konnten hier bislang nur begrenzt entlasten. Die 12-Uhr-Regelung scheint eher zur Folge zu haben, dass die Mineralölkonzerne mittags vorsichtshalber ein bisschen mehr auf den Preis aufschlagen. Die befristete Senkung der Energiesteuer kommt in den seltensten Fällen direkt beim Verbraucher an – auch nicht, wenn der Ölpreis gerade sinkt.
Bei der Gelegenheit kurz angemerkt:
Ein großer Teil der Preisunterschiede für Kraftstoff im internationalen Vergleich ist auf die Steuern zurückzuführen. Laut einer Auswertung des Wall Street Journal mit Daten von S&P Global Energy liegt Deutschland dabei deutlich über vielen anderen Ländern, insbesondere den USA. Während die Einkaufspreise in den untersuchten Ländern ungefähr gleich sind, führen hierzulande hohe Abgaben sowie Gewinnmargen und Betriebskosten entlang der Lieferkette zu erheblichen Preissteigerungen.
In der Praxis bleibt die Entlastung damit begrenzt. Die grundsätzliche Dynamik bei Energie- und Transportkosten ist ungebrochen.
Auch im Logistikbereich bleiben die Auswirkungen deutlich. Auch wir haben die Standardpreise für Paletten- und Stückgutsendungen aktuell um 9 Prozent angepasst. Damit können wir die gestiegenen Kraftstoffkosten zumindest dämpfen. Einen Teil der Mehrkosten tragen wir bewusst selbst. Wenn Sie an Ihrem Standort selbst ausliefern, kennen Sie ähnliche Überlegungen.
Die Entwicklung zeigt, wie eng Kostenentwicklung und Versorgung miteinander verbunden sind – und das in einer Zeit, in der die Systeme ohnehin unter Druck stehen.
Wenn Versorgung im Alltag an Grenzen stößt
Im Hilfsmittelbereich zeigt sich die schwindende Versorgungssicherheit oftmals in kleineren Verschiebungen, die sich im Alltag summieren.
Ein Rollstuhl ist bestellt, alles scheint geklärt, und dann kommt die Rückmeldung: Lieferzeit verlängert oder nur in abweichender Ausstattung verfügbar. Oder ein Pflegebett ist grundsätzlich lieferbar, aber nicht mehr in der gewünschten Variante. Gründe dafür liegen oft weiter vorne in der Kette: Hersteller bündeln Produktion, stellen Varianten um oder passen ihre Lagerlogik an.
Im Sanitätshaus landet das am Ende als eine ganz praktische Aufgabe. Versorgung neu denken, Alternativen finden, Rücksprache halten, manchmal auch kurzfristig umdisponieren.
Noch deutlicher wird es bei Verbrauchs- und Reha-Hilfsmitteln. Viele Produkte laufen heute über zentrale Lager- und Distributionsstrukturen. Wenn dort etwas kippt, zeigt sich das im Detail. Eine bestimmte Verpackungseinheit fehlt oder Lieferungen erfolgen in Teilen.
Hier kommt Logistik ins Spiel. Denn Versorgungssicherheit heißt im Alltag nicht nur, dass ein Produkt irgendwo existiert. Entscheidend ist, dass es in der richtigen Ausführung ankommt, im passenden Zeitpunkt und in einer Form, die direkt eingesetzt werden kann. Genau das wird komplexer, je mehr Stufen zwischen Herstellung und Versorgung liegen.
Versorgungssicherheit entsteht im Zusammenspiel
Gerade im Healthcare-Bereich hat das direkte Auswirkungen. Versorgung ist hier immer an konkrete Situationen gebunden. Ein Hilfsmittel erfüllt eine Aufgabe im Alltag von Patientinnen und Patienten und lässt sich nur eingeschränkt ersetzen, wenn sich etwas verändert oder verzögert.
Hinzu kommt der wirtschaftliche Rahmen. Steigende Energie- und Transportkosten treffen auf Festbeträge, Vertragsstrukturen und Ausschreibungen. Das beeinflusst, welche Produkte im Alltag tatsächlich verfügbar bleiben und wie stabil Versorgungen umgesetzt werden können.
Für Sanitätshäuser und andere Leistungserbringer führt das zu mehr Abstimmung im Tagesgeschäft. Einkauf, Versorgung und Logistik müssen enger zusammenarbeiten, weil Veränderungen in der Lieferkette unmittelbar in der Versorgung ankommen.
Versorgungssicherheit entsteht damit aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren. Wenn einer davon unter Druck gerät, wirkt sich das direkt auf die Versorgung vor Ort aus. Das erleben wir als auf Healthcare spezialisierter Logistikdienstleister erleben wir das täglich. Wir sehen uns in der Verantwortung dafür, dass die Versorgung über viele Hersteller, Produkte und Wege hinweg stabil bleibt.
Wir können Krisen und die damit verbundenen Herausforderungen in der Versorgungssicherheit nicht verhindern. Doch wir können sie partnerschaftlich zusammen durchstehen.
