Patientinnen und Patienten sollen künftig häufiger ambulant behandelt und früher aus dem Krankenhaus entlassen werden. Politisch ist diese Richtung gesetzt, die Reform läuft. Was die Debatte dabei oft ausblendet: Kürzere Krankenhausaufenthalte verlagern die Versorgung von der stationären zur häuslichen Versorgung. Das erfordert neue Strukturen.
Entlassung und Hilfsmittel müssen aufeinander abgestimmt werden
Wer nach einer Hüftoperation oder einem anderen Eingriff schon nach kurzer Zeit nach Hause zurückkehrt, braucht häufig sofort die passende Unterstützung. Gehhilfen, Orthesen, Kompressionsversorgung, Hilfsmittel für Bad und Haushalt: All das schafft die Voraussetzungen dafür, dass Mobilität, Therapie und Rehabilitation gelingen können.
Fehlen diese Hilfsmittel oder stehen sie nicht rechtzeitig zur Verfügung, verzögert sich der Heilungsverlauf. Im schlimmsten Fall folgt die Wiedereinweisung. Was als Einsparung gedacht war, kann dann zur Kostenfalle werden.
Die Zahlen belegen das. Beim Ulcus cruris zeigt der BARMER Heil- und Hilfsmittelreport 2025, dass konsequente Kompressionstherapie und manuelle Lymphdrainage bislang nur bei rund 60 Prozent der Betroffenen erreicht werden. Die Folgekosten belaufen sich auf rund zwei Milliarden Euro jährlich. Beim Kniegelenkverschleiß weist der DAK-Report 2022 darauf hin, dass durch konsequente Hilfsmittelversorgung jede zehnte Operation vermeidbar wäre.
Sanitätshäuser werden zum Enabler
Für Sanitätshäuser bedeutet die Ambulantisierung, dass sie eine noch wichtigere Schnittstelle zwischen Krankenhaus, Arztpraxis, Pflege und Patientinnen und Patienten einnehmen werden. Mehr denn je sind sie Teil einer Versorgungskette, die nahtlos funktionieren muss.
„Wir müssen Hilfsmittel als Enabler begreifen“, sagte Eurocom-Geschäftsführerin Oda Hagemeier im Juli auf der Mitgliederversammlung. „Sie machen stationäre Behandlungen zu ambulanten Leistungen, halten Menschen im eigenen Zuhause mobil und entlasten damit die Pflege und die Krankenkassen massiv.“
Das stellt hohe Anforderungen an Organisation und Prozesse. Je früher Patientinnen und Patienten das Krankenhaus verlassen, desto weniger Spielraum bleibt in der Anschlussversorgung. Verordnungen, Beratung, Lieferungen: All das muss schnell passieren.
Mehr Aufgaben, weniger Einnahmen
An dieser Stelle beginnt das Dilemma. Die Pläne zur Ambulantisierung sollen in erster Linie die Kapazitäten der Kliniken schonen und dabei Geld sparen. Doch das Beitragsstabilisierungsgesetz schlägt auch in der Hilfsmittelbranche zu. Die Bindung der Versorgungsverträge an die Grundlohnrate, zusätzliche Kürzungen um einen Prozentpunkt bis 2029 sowie ein pauschaler dreiprozentiger Abschlag in den Jahren 2027 und 2028 auf alle Versorgungen bringen die Leistungserbringer in die Bredouille.
Ambulantisierung braucht Stabilität und Sicherheit
Der Ansatz der Ambulantisierung ist richtig und wichtig. Dennoch: Kürzungen sind hier nicht der richtige Weg. Um die Versorgung in diesem Rahmen sicherzustellen, brauchen wir Stabilität und ein funktionierendes Entlassmanagement. So sollte beispielsweise schon während des Krankenhausaufenthalts klar sein, welche Hilfsmittel nach der Entlassung benötigt werden und wie die Versorgung organisiert wird.
Wenn Sie mehr zum Thema erfahren möchten, folgen Sie gern diesen weiterführenden Quellen:
